Die unendliche Geschichte der JAR-FCL 3:   Die Argumente des Fliegerarztverbandes zeigen Wirkung

 

Die Geschichte der Europäischen Luftfahrt – Harmonisierung, bekannt als Joined Aviation Requirements (JAR) mit ihrer medizinischen Kategorie namens Flight Crew Licensing Part 3 (FCL 3) kann in Ihrer offenbar unlimitierten Fortschreibung nur noch mit Richard Kimble`s Grossdrama „Auf der Flucht“ verglichen werden. Diese Story endete bekanntlich nie.

 

Seit 1997 sollen die neuen Richtlinien jeweils im nächsten Halbjahr in Kraft treten – und dürften 2003 noch immer nicht gelten. Ein wenig auf Richard Kimble`s Flucht scheinen auch die Größen aus Ministerium und Luftfahrtbundesamt zu sein, um nicht von der leichtfertig losgetretenen Lawine ihrer eigenen Planung überrollt zu werden. Mit anderen Worten: Die deutschen Ausgestalter der europäischen Vorgaben sind dabei, ihre sachlich a priori fragwürdigen – und kostspieligen – Pläne einer zentralen Bürokratisierung des Fliegerarztwesens zu Gunsten eines neuen Realismus zu ändern. Das zumindest legen Ausführungen nahe, die Dr. Corleis vom Referat Flugmedizin des Luftfahrtbundesamtes (LBA) am 15.06.2002 in Fürstenfeldbruck vortrug.

 

Der Motor der Bewegung ist natürlich nicht die bessere Einsicht, sondern das fehlende Geld. Die geplante LBA – Zentralisierung des deutschen Fliegerarztwesens hätte zum Start circa 100 neue Stellen im LBA schaffen müssen – und da reagierte der verlängerte Sensor des Finanzministeriums offenbar allergisch.

 

Bisher sahen die Planungen vor, dass „1 1/2“ Ärzte (so die Planstellen) im LBA die medizinischen Verläufe und Fragestellungen für 120.000 Piloten und 70.000 Untersuchungen pro Jahr in allen Einzelheiten überwachen und über alle Normabweichungen bis hin zur letzten Blutdruckpille entscheiden sollten. Dem Realismus verbundene Beobachter hielten das Projekt von Anfang an für grössenwahnsinnig.

 

Der neue Vorstand des Deutschen Fliegerarztverbandes (DFV) hat die Zusammenhänge in unseren früheren Publikationen ausführlich dargelegt und die Fachöffentlichkeit einschliesslich der Datenschutzbeauftragten alarmiert.

 

Per Saldo scheint die bislang geplante ständige Rückfragerei aller Fliegerärzte in allen normabweichenden Fällen bei zwei Doktoren im LBA und dessen Entscheidung in jedem Einzelfall scheinen vom Tisch zu kommen.

 

Fazit:

Mit dem - seit kurzem feststellbaren – Einzug rationaler Elemente in die behördliche Verordnungsgebung könnten sich Befürchtungen erledigen, die einen Zusammenbruch des deutschen Fluglizenzwesens in Reichweite sahen. Schließlich hätte die gewissenhafte Einhaltung der Bibel – dicken Durchführungsverordnungen - den Luftverkehr in Deutschland binnen Kurzem auf Null reguliert. Es sei daran erinnert, dass das Referat Flugmedizin im LBA bereits heute monate–, bis jahrelange Wartefristen für die Problem-Piloten generiert. Und: Der Arbeitsanfall im Referat ist heute auf einem Bruchteil dessen, was eine unveränderte JAR-FCL 3 – Planung bringen würde.

 

Auch für LBA – behördliche Vorhaben sind Ratio und Augenmaß keine unzumutbaren Ingredienzien. Leider ist aus den Erfahrungen unserer leidgeprüften Verwaltungsgeschichte zu extrapolieren, dass erneut alles anders präsentiert wird als abzusehen ist. Dennoch ist ein Funken Optimismus angezeigt, dass die auf Millionen von Untersuchungen gestützten Vorschläge des DFV für die Zukunft Wirkung zeigen.